Der frühe Vogel….

…fliegt im Aero-Club Bexbach!

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Segelflieger sind Frühaufsteher

Aber nicht nur einer, sondern gleich sechs auf einmal: Michael, Manfred, Markus, Sascha, Timur und Dennis haben sich am Sonntag (05.07.) um 4 Uhr morgens getroffen, um ihren geplanten Sunrise-Flug durchzuführen. Nachdem die Halle ausgeräumt und die Flieger gecheckt waren, konnte es pünktlich vor Sonnenaufgang losgehen.

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Blick aus der ASK21

Um 5:15 Uhr startete die ASK 21 (Michael und Sascha) im Schlepptau hinter unserer DR400 (Manfred und Timur), gefolgt von unserem UL (Markus und Dennis) der Sonne entgegen. Nach einer knappen Viertelstunde war es dann soweit – Die ersten Sonnenstrahlen erschienen über dem Horizont und den Piloten bot sich in knapp 2.000 Metern Höhe ein atemberaubender Anblick.

Nachdem die Sonne aufgegangen war, glitten unsere Flieger wieder langsam dem Boden entgegen, um nach über einer Stunde Flugzeit sicher zu landen. Die Crew war begeistert von diesem Erlebnis und feierte dies mit einem ausgedehnten Frühstück direkt an der Piste.

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Timur, Sascha, Michael und Manfred beim verdienten Frühstück

Tages-Fly-Out nach Freiburg & St. Dié

ODER: FUTTER FÜR DIE RABEN, TEURE LÄRMZEUGNISSE UND FAMILIENTREFFEN DER REMOS

 

Freiburg_St-Die_0Am 23. Mai 2015 veranstaltete der Aero-Club Bexbach einen kleinen Ausflug mit seinen beiden Motormaschinen – der DR400 und der Cessna 172 – über Freiburg nach St. Dié in den Vogesen und wieder zurück nach Bexbach.
Unter den sieben Teilnehmern befanden sich mit unserem 1. Vorsitzenden und Fluglehrer Karlheinz Pohmer sowie unserem Geschäftsführer Sascha Collissy gerade mal zwei „fertige“ Piloten – die restlichen fünf Mitflieger sind noch in der Ausbildung. Somit war es also eher ein „Schulausflug“, was dazu führte, dass Fluglehrer Karlheinz Pohmer in unserer Schulungsmaschine, der „Remo“, gar nicht wirklich zum Fliegen kam, sondern drei seiner Schüler ein wenig in die Kunst des Streckenfliegens und der frankophonen internationalen Funkerei einweisen durfte.

Vorflugkontrolle

Treffpunkt: EDRX, 07:30 UTC

Die Bexbacher öffneten die Hallen, checkten die Maschinen und begannen mit der Flugvorbereitung: Strecken einzeichnen, Karten falten, Wetter prüfen und Flugpläne aufgeben. Der angedachte Brezel-Snack vor dem Start musste leider ausfallen, da sich die Bexbacher Raben in einem unbeobachteten Moment über die Bäckertüten hermachten…

Start: EDRX, 09:20 UTC

Zwanzig Minuten hinter dem Flugplan startete die Zweier-Formation endlich in den noch ziemlich bewölkten Himmel.
Von Bexbach aus ging es über den geschlossenen Flughafen Zweibrücken nach Bitch, wo wir die Grenze zu Frankreich überquerten. Frequenz-Wechsel … Jetzt hocken die Franzosen am Mikro … Sascha hatte den Funk aber perfekt im Griff und wir wurden sicher bis zum Flughafen Straßburg gelotst, welchen wir quer überfliegen durften.

Die Wolken ließen uns schon ab und an einen kleinen Blick auf blauen Himmel erhaschen und es ging wieder Richtung Deutschland, den Rhein entlang, über den Kaiserstuhl bis zu unserem ersten Stop, dem im Stadtgebiet gelegenen Flughafen Freiburg. Der Wind stand cross auf der Bahn, was eine, insbesondere für die Flugschüler, lehrreiche Landung zur Folge hatte.

Landung: EDTF 10:15 UTC

Noch schnell hoch in den Tower, um die Landegebühr zu zahlen … insgesamt 28€ … Freiburg lässt sich für die Nutzung der Landebahn gut entschädigen.
Zur Entspannung gab’s im ansprechend eingerichteten Restaurant ein paar Getränke, bevor wir wieder in unsere Maschinen kletterten. SPIC-Wechsel in der DR400, die Cessna flog mit gleicher Besatzung wie zuvor.

 

 

Restaurant "mistral" am Flughafen Freiburgabflugbereit in FreiburgFreiburg_St-Die_2

 

 

 

 

Start: EDTF 11:35 UTC

Mit einiger Luft unter den Flächen ging’s über die Vogesen. Das Segelflieger-Herz schlug bei der aufkommenden Thermik höher … den meisten wäre etwas ruhigere Luft aber sicher lieber gewesen. Nichtsdestotrotz war der Ausblick beeindruckend und ließ uns das stetige Auf und Ab der Maschine weniger unangenehm erscheinen.
Wir bestaunten den Grand Ballon, den höchsten Gipfel der Vogesen (1.424m), und flogen die Route des Crètes entlang. Dabei zogen wir ungefähr dreihundertzweiundsiebzig Vollkreise, um
uns Sehenswürdigkeiten wie z.B. den rekonstruierten Tempel auf dem Donon und andere interessante Plätze genauer anzusehen. Vierzig Minuten nach dem Start kam dann auch der Flugplatz St. Dié in Sicht.

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Landung: LFGY 12:20 UTC

Den kleinen Schlenker der DR400 kurz vor dem Aufsetzen führen wir auf die Aufregung unserer französischstämmigen Remo zurück … denn hier gab es überall Brüder und Schwestern!

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Nach kleinen Verständigungsschwierigkeiten fanden wir schließlich einen Englisch sprechenden Piloten, der uns Getränke anbot und zu unserer Freude verkündete, dass wir keine Landegebühr zahlen müssen. Wir machten es uns in der Sonne gemütlich und das verpatzte Frühstück in Bexbach konnte jetzt dank mitgebrachter Hefezöpfe nachgeholt werden. Nach dem obligatorischen Gruppenfoto ging’s zurück Richtung Heimat. Tschüss St. Dié – bis zum nächsten Mal!

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Freiburg_St-Die_22Start: LFGY 14.19 UTC

Allmählich wurde die Landschaft wieder flacher und wir konnten schon den Étang du Stock, besser bekannt als Stockweiher, im lothringischen Département Moselle sehen. Auf St. Avold zuhaltend erreichten wir das VOR GTQ und bogen mit nordöstlichem Kurs ab, vorbei an Saargemünd Richtung Saarbrücken.

Den Überflug über unseren saarländischen Verkehrsflughafen ließen wir uns natürlich nicht entgehen. Wir mussten bloß noch auf eine AirBerlin-Maschine aus Mallorca warten und flogen dann einige Meter hoch über „EDDR Runway 09“. Das Bexbacher Kraftwerk schon in Sicht ging’s wieder Richtung Heimat.

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Landung: EDRX 15.20 UTC

Nach 2 Stunden, 45 Minuten Flugzeit und sechs Stunden nach dem Start landeten wir wieder sicher in Bexbach.
Ein gelungener Ausflug mit vielen Eindrücken und Erfahrungen! Wir sind gespannt, wo es uns das nächste Mal hinverschlägt…

 

In Australien steht die Sonne mittags im Norden

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Echte Neunkircher Buben sind auf der ganzen Welt zu finden. Karl Heinz Glaser, Jahrgang 1928, ist so einer. Als Junge war es sein Wunsch, einen Beruf zu erlernen, den man in der Fliegerei benötigt. Karlheinz lernte Elektriker und war dann später Technischer Angestellter in der Elektroabteilung des Neunkircher Eisenwerkes. Die Freizeit gehörte dem Flugsport. Fliegen und Flugzeuge haben Karlheinz sein bisheriges Leben begleitet. Hier ein paar Stationen. Mit 10 Jahren hat er beim Jungvolk Modelle gebaut. Mit 14 Jahren begann in der Ranschbach bei Ottweiler die praktische Ausbildung auf der legendären SG 38. Der Gleiter wurde mit 2 Gummiseilen, die rechts und links befestigt waren, bergab gestartet. Die Flugzeiten wurden mit einer Stoppuhr in Sekunden gemessen. 1945 wurde dann das Fliegen verboten.

Gilbert Grandvall, der Hohe Kommissar für das Saarland, erlaubte die Sportfliegerei ab 1949. Karlheinz Glaser und weitere Flugbegeisterte gründeten den Aero-Club Saar. 1954 wurde dann als Untergruppe der Aero-Club Neunkirchen gegründet, der dann die Richthofenhalle in Wellesweiler bezog. In diesem Jahr erwarb Karlheinz seinen Pilotenschein. Viele Flüge nach Frankreich und über die Bundesrepublik folgten. Streckenflügen mit Hochleistungsseglern waren vor 1989 durch den „ Eisernen Vorhang“ Grenzen gesetzt. Hans Werner Grosse aus Hamburg, hielt lange Jahre den Streckenrekord mit 1.400km, von Hamburg nach Biarritz an der Biscaya.

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Australien war ab 1970 der Geheimtipp für Streckenflieger im Segelflug. New South Wales im Süden Australiens, besteht aus weiten flachen Grassteppen, die sich mit wüstenähnlichen Gebieten ablösen. Für Segelflieger ideale Notlandebedingungen. Karlheinz hat sich also nach Narromine, ein Mecca für Segelflieger aufgemacht. Bei seiner Ankunft am Flugplatz, wurde abends an einem kleinen Schwimmbad, eine Besprechung über die geplanten Flüge des nächsten Tages durchgeführt. Sie endete damit, dass plötzlich eine Sandviper von 1,50m durch das Schwimmbad auf die Gruppe zukam. Also jeden Morgen die Flugzeuge kontrollieren, ob sich kein blinder Passagier versteckt hat. Das wäre in der Luft peinlich gewesen.

John Rowe der damals alle Weltrekorde im Streckenflug hielt, war der Sportzeuge von Karlheinz. Die Orientierung und Streckenplanung in einem menschenleeren Gebiet ist nicht gerade einfach. Es gab dort nur schnurgerade Bahnlinien und Straßen. Also ging der Flug entlang der Bahnstrecke bis diese in der Ferne eine Straße kreuzt. Jetzt der Straße nach bis diese wieder eine Eisenbahn trifft. Dann wieder der Schiene folgen bis zum Flugplatz. Der Flugweg hat die Form eines großen Dreiecks und entspricht einer Strecke von mehr als 500km. An den Kreuzungspunkten Bahn-Straße waren aus der Ferne schon riesige Silos zu sehen. Dort lieferten die LKW Getreide an, das von der Bahn übernommen wurde. Getreide durfte vor 1980 nicht über die Straße transportiert werden.

Um bei einer Außenlandung die Sprachschwierigkeiten zu überbrücken, hatte Karlheinz einen Brief dabei, der eindeutig erklärte, wer und wohin der Mann mit dem Flugzeug in der einsamen Steppe war und wollte. Der erste Tag endete in 280km Entfernung am Boden. Karlheinz konnte über Funk ein Motorflugzeug verständigen, das ihn dann zurück zum Platz zog. Am zweiten Tag endete der Flug nach 320km in der menschenleeren Wüste. Wieder mit dem Motorflugzeug zurück. Dritter Tag. Heute sah das Wetter gut aus. Eine Wolkenstraße mit Cumuluswolken entlang der Strecke. Erster Wendepunkt ebenfalls ideale Schönwetterwolken. Zweite Wende, schönste Wolken bis zu Zielflughafen. John Rowe gratulierte und Karlheinz durfte seiner Gold-C einen Diamanten anfügen. Übrigens, der berühmte Brief kam nie zu Einsatz, da alle weiteren Flüge in Australien dort endeten wo sie sollten. Dass die Sonne im Norden statt im Süden steht, ist nicht einfach umzusetzen.
Karlheinz ist Ehrenmitglied des Aero-Club Bexbach und das letzte lebende Gründungsmitglied der Fliegerei im Saarland.
Die Fliegerei in Bexbach hat Karlheinz sehr viel zu verdanken und er ist ein Vorbild für die jungen Piloten des Vereins.

geschrieben von: Herbert Marx

Der Flugsport in seiner Vielseitigkeit

Dipl-Ing. Karl Heinz Pfeiffer, ein echter Neunkircher Bub, hatte Mut zum Fliegen. Seine fliegerische Laufbahn begann 1951 und ist bis dato noch nicht am Ende. Wir treffen ihn an jedem Wochenende als Fluglehrer beim Aero-Club in Bexbach, wo er sein fliegerisches Wissen und Können an junge Menschen weitergibt.

Doch lassen wir Kari (so nennen wir ihn) zu Wort kommen: „Große Höhenflüge werden überwiegend in den Alpen geflogen. Wir Flachländer sind zum Training jedes Jahr nach St.Johann in Tirol mit unserem Segelflugzeug im Schlepptau gefahren. Hier herrschen andere thermische Bedingungen als bei uns an der Saar. Hier bei uns erwärmt die Sonne den Boden und wir nutzen die senkrecht aufsteigende warme Luft und lassen uns mit unserem Segelflugzeug nach oben tragen – circa 2.500 bis 3.000 Meter.

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Wolkenflug ist verboten. In den Alpen stößt der waagerecht strömende Wind gegen die Berge und wird nach oben umgeleitet und bewegt sich dann wellenförmig über das Gebirge. Das nutzen wir mit den Seglern für Flüge in sehr große Höhen aus. Unser Flugzeug war entsprechend mit einer Sauerstoffanlage und Höhenatmer ausgerüstet. Am 02.06.1985 war ich an der Reihe die größtmögliche Tageshöhe zu erreichen. Da in 7.000 Meter Höhe die Temperaturen von etwa minus 20°C herrschen, zog ich entsprechend warme Hosen und Jacken an. Plötzlich musste alles sehr schnell gehen. Höhenschreiber und Blackbox einschalten. Sauerstoffzufuhr öffnen. Schleppseil einklinken und dann ging es Richtung Wilder Kaiser. In der Hektik hatte ich vergessen, in meinen Stiefeln die warmen Socken anzuziehen. Ich war nur durch 3 mm Kunststoff von der Kälte getrennt. Oh weh! Das kann ja heiter werden.

In 780 Meter trennte ich mich von der Schleppmaschine und flog unter eine riesige Cumuluswolke („Schönwetterwolke“), die mich auf eine Höhe von 2.700 Meter trug. Im Funk hörte ich, dass zwei andere Piloten bei der Flugsicherung eine Höhenfreigabe einholten, die dann auch vom Tower in Wien erteilt wurde. Sofort habe ich mir auch eine Freigabe erteilen lassen. Mein Höhenmesser zeigt mittlerweile einen Stand von 4.000 Meter über MSL (Mean Sea Level = Meeresniveua) an. Es war also Zeit, mit dem Anlegen der Atemmaske zu beginnen. Beim Vorfliegen nach Süden setzte ein sanftes Steigen bis 5.800 Meter ein. Jetzt spürte ich die Kälte in meinen Stiefeln. Die wärmenden Strümpfe hatte ich zwar in der Hand aber in dem engen Cockpit ist zum Anziehen kein Platz. Während des Versuchs die Strümpfe anzuziehen war ich auf 4.000 Meter gesunken. Gesunken war auch meine gute Laune.

Plötzlich zeigte mein Variometer (Anzeige für Steigen und Fallen in m/s) jedoch erneutes Steigen. Das hat meine Laune wieder etwas gehoben und ich fing an, alte Fliegerlieder von meinem Fluglehrer Heinz Schneider zu singen. Mehr als 3 Stunden ging es nun auf und ab. Zu meinem Glück ging es mehr auf als ab. Bei der Höhe von 7.075 Meter brach ich dann den Flug glücklich ab. Ich fuhr nun die Bremsklappen aus und spürte während des Abgleitens meine Füße nicht mehr. Nach einer Flugzeit von 5 Stunden und 38 Minuten landete ich sicher und überglücklich auf dem Flugplatz in St.Johann. Als erster Helfer war mein Freund Karl Heinz Glaser bei mir am Segelflugzeug. Er sah, dass die Sauerstoffflasche dick vereist war und der verplombte Höhenschreiber exakt 7.075 Meter anzeigte. Ich war so durchgefroren, dass ich wohl ohne die Hilfe meiner Freunde beim Aussteigen noch heute als Eiszapfen im Flugzeug sitzen würde“. Soweit Karl Heinz Pfeiffer in seiner Erinnerung.

Flugsport in seiner Vielseitigkeit betreibt der Aero-Club Bexbach auf seinem Gelände hinter dem Blumengarten. Gäste, die uns besuchen, gehen als Freunde. Wer bleibt, ist von der Schönheit des Flugsports begeistert. Was als Rundflug über das Saarland oder die Pfalz beginnt, endet oft in einer lebenslangen Begeisterung für die Fliegerei.

Wir stehen Ihnen an den Wochenenden Rede und Antwort und freuen uns auf Ihren Besuch.

geschrieben von: Herbert Marx